Der VBE Hessen fordert eine Kurskorrektur im neuen Schuljahr: Die Schulen brauchen mehr statt weniger personelle und finanzielle Ressourcen!
Nach den Sparmaßnahmen, die den Schulen seit Jahresbeginn scheibchenweise serviert wurden, blickt der VBE Hessen mit Sorge auf die Pressekonferenz des Kultusministers am Freitag, auf der dieser wie gewohnt Bilanz ziehen und Pläne für das nächste Schuljahr vorstellen wird.
„Schlimmer geht immer – das haben leider die vergangenen Monate gezeigt, in denen das Kultusministerium Sparpolitik statt Bildungspolitik betrieben hat“, kritisiert Stefan Wesselmann, der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Hessen.
Kürzungen in der Lehrkräftebildung, Einsparungen beim Sozialindex und bei der Binnendifferenzierung an den IGSen, dazu die Reformpläne der Bundesregierung zu Eingliederungshilfe und Schulbegleitungen: Die Folgen werden Lehrkräfte an fast allen Schulformen treffen, weil die Arbeitsbedingungen sich weiter verschlechtern werden. Und sie werden zu Lasten vor allem jener Schülerinnen und Schüler gehen, die besondere Förderung und Unterstützung benötigen.
Der VBE Hessen fordert daher umgehend eine Kurskorrektur: „Die Schulen brauchen mehr statt weniger personelle und finanzielle Ressourcen“, stellt der VBE-Landesvorsitzende klar. Die Kürzungen werden zwar als ´notwendige Anpassung´ und ´effizienter Ressourceneinsatz´ begründet: „Aber tatsächlich kann von einer Überversorgung der Schulen angesichts des Personalmangels und der stetig wachsenden Anforderungen an die Schulen keine Rede sein!“
Der VBE Hessen sieht dringenden Handlungsbedarf bei folgenden Themen:
Lehrkräftemangel
Der Lehrkräftemangel bleibt das Problem Nr. 1. Besonders Förderschullehrkräfte sowie Lehrkräfte für Haupt- und Realschule werden händeringend gesucht. Der Mangel zeigt sich auch an den gut 7700 Stellen, die befristet besetzt sind, hiervon nur gut 1500 Stellen mit voll ausgebildeten Lehrkräften. Die übrigen 6200 Stellen sind mit (Lehramts-)Studierenden oder Menschen aus völlig anderen Berufen besetzt, von denen nur ein sehr kleiner Teil überhaupt eine Qualifikation für die Tätigkeit als Lehrkraft absolviert hat.
„Die Maßnahmen für den Quereinstieg in den Lehrberuf sind eine Notlösung, keine Lösung. Um Lehrkräfte-Nachwuchs zu gewinnen, müssen vor allem die Arbeitsbedingungen verbessert werden“, stellt der VBE-Landesvorsitzende klar.
Der VBE Hessen fordert deshalb Entlastung der Lehrkräfte, u.a. durch weniger außerunterrichtliche Aufgaben, einen stärkeren Einsatz von multi-professionellen Teams, Entbürokratisierung des Schulalltags sowie eine funktionierende und zeitgemäße digitale Ausstattung der Schulen.
Inklusion und Förderschulen
Die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit Förderbedarf steigt, Personalstellen und Zeit für die Förderung dagegen nicht. Das hat v.a. Folgen für die Inklusion, denn es gibt nur einen Topf für die sonderpädagogische Förderung an Förderschulen und in der Inklusion an Regelschulen – und zuerst wird die Grundunterrichtsversorgung an den Förderschulen gesichert.
Der VBE Hessen fordert daher entweder eine schülerbezogene Zuweisung von Förderstunden oder eine faire, ausreichende Zuweisung für alle Schulen, die sonderpädagogische Arbeit wirklich ermöglicht!
Zudem appellieren wir an das Land Hessen, im Sinne der Schulen und der betroffenen Familien die im Raum stehenden Kürzungen bei der Eingliederungshilfe zu verhindern.
Ganztag
Der Rechtsanspruch auf einen Ganztagsbetreuungsplatz wurde im Herbst 2021 von Bund und Ländern beschlossen und zur Umsetzung an die Kommunen weitergereicht. Doch die Voraussetzungen an den Schulen sind bzgl. Raumkapazitäten, Ausstattung der Räume, Versorgung mit (pädagogisch qualifiziertem) Personal und Angeboten im Ganztag sehr unterschiedlich. „Es darf aber nicht sein, dass gute Betreuung, Bildung und Förderung vom Wohnort abhängt“, stellt Wesselmann klar.
Der VBE Hessen fordert deshalb stärkere politische Steuerung. Das Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen muss seinem Namen gerecht werden und verbindliche Standards für den Ganztag definieren!
Hitzeschutz
In aufgeheizten Räumen lehrt und lernt es sich schlecht. Besonders für jüngere Schülerinnen und Schüler, ältere Personen, Kinder und Jugendliche mit Behinderung kann Hitze gesundheitsgefährdend sein.
Der VBE Hessen fordert deshalb: Das Land Hessen als Dienstherr der Lehrkräfte und vieler sozialpädagogischer Fachkräfte muss für Gesundheits- und Arbeitsschutz an Schulen sorgen und dabei mit den Kommunen zusammenarbeiten. Auch gegenüber den Schülerinnen und Schülern haben Länder und Kommunen eine Fürsorgepflicht.