Altersermäßigung: Negative Folgen der Kürzungen werden wieder nicht bedacht!

Auf der Suche nach weiteren Einsparmöglichkeiten hat das HMKB jetzt die Altersermäßigung für Lehrkräfte ins Visier genommen - erneut eine kurzsichtige Idee.
 

Noch mehr Geld einsparen und trotzdem mehr Unterrichtsstunden zur Verfügung haben: Das muss der Gedanke hinter dem neuesten Plan sein, den das Kultusministerium in einem Gesetzentwurf für ein Artikelgesetz versteckt hat, der allerdings alles andere als schlau ist.

Es geht um die Kürzungen bei der sogenannten Altersermäßigung, die Lehrkräften ab dem 55. Lebensjahr zusteht, um Belastungen durch den Unterricht abzumildern. Die Ermäßigung beträgt aktuell eine halbe oder ganze Unterrichtsstunde, abhängig von der Zahl der Stunden, die Lehrkräfte tatsächlich unterrichten. Schulleitungen, die i.d.R. wenig Unterricht geben, haben darauf meist keinen Anspruch.

Gemäß der geplanten Neufassung von §9 Pflichtstundenverordnung soll sich die Altersermäßigung quasi nach hinten verschieben: die erste Stufe soll es erst nach Vollendung des 60. Lebensjahres (bisher 55) geben, die zweite Stufe nach Vollendung des 62. Lebensjahres (bisher 60) und schließlich soll nach Vollendung des 64. Lebensjahres eine dritte Stufe eingeführt werden. 

Teilzeit oder Ruhestand als mögliche Auswege

Wie schon die Einsparungen an den integrierten Gesamtschulen, beim Sozialindex und in der Lehrkräftebildung spottet dieser Plan dem vollmundigen Versprechen des Kultusministers, an der Bildung würde nicht gespart. „Denn die Folgen werden auch hier nicht bedacht“, warnt Stefan Wesselmann, der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Hessen und erläutert: „Wenn Lehrkräfte die volle Stundenzahl in der Schule nicht mehr schaffen, werden sie künftig andere Wege gehen (müssen), um die Belastungen für sich zu reduzieren.“

Das heißt: Entweder sie beantragen Teilzeit – oder sie entscheiden sich dafür, zum frühestmöglichen Zeitpunkt in den Ruhestand zu gehen. Dies kann das Kultusministerium dann nicht verhindern. „Das Land würde also genau jene Lehrkräfte verlieren, die es eigentlich an den Schulen halten möchte“, stellt Wesselmann klar. Der VBE Hessen fordert das HMKB daher einmal mehr auf, endlich die Arbeitsbedingungen an den Schulen zu verbessern, um sowohl erfahrene Lehrkräfte zu halten als auch mehr Nachwuchs für den Beruf zu gewinnen. „Die Sparmaßnahmen, die in den letzten Wochen scheibchenweise bekannt werden, sind für den Kampf gegen den Lehrkräftemangel absolut kontraproduktiv!"

 

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