Das Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen wird seinem Namen nicht gerecht!

Das HMKB streicht die Zuschläge für binnendifferenzierten Unterricht. Die individuelle Förderung wird damit erschwert, kritisiert der VBE Hessen.

"Und was kommt als nächstes?“, fragt empört Stefan Wesselmann, der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Hessen, nachdem das Kultusministerium – nach Kürzungen in der Lehrkräfte-Ausbildung – nun die nächste Sparmaßnahme angekündigt hat: Integrierte Gesamtschulen (IGS) sollen für binnendifferenzierten Unterricht künftig keine Zuschläge mehr bekommen, also keine zusätzlichen Stunden, die aktuell eine bessere individuelle Förderung von Schülerinnen und Schülern möglich machen. 

Die Schulen verwenden diese Stunden auf verschiedene Art und Weise, z.B. für die so genannte Doppelsteckung (zwei Lehrkräfte in einer Klasse), das Lernen in kleineren Gruppen, Lern-Coaching u. ä. Die Kürzungen bedeuten für die Schulen bis zu drei (Lehrkräfte-)Stellen weniger, je nach Größe der IGS und je nach Zahl der Jahrgänge, in denen innerhalb der einzelnen Klassen binnendifferenziert gearbeitet wird (statt die Schüler/innen in leistungsdifferenzierte Kurse aufzuteilen).

Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und keine Chancen?

Verpackt wird das Sparvorhaben als „eine notwendige Anpassung in der Zuweisung“ – als ob es hier um einen technischen Defekt und nicht um Menschen gehen würde, wie der VBE-Landesvorsitzende kritisiert. „Und warum eigentlich notwendig?“, fragt Wesselmann. „Notwendig wäre etwas ganz anderes, nämlich mehr finanzielle und personelle Unterstützung für die Schulen, damit sie Schülerinnen und Schüler so fördern und fordern können, wie diese es brauchen und verdienen. Aber offenbar sind die Auswirkungen dieser Kürzungen dem Kultusministerium völlig gleichgültig!“

Noch im Jahr 2022 hatte der damalige Kultusminister Lorz in einem Papier zur Rolle der IGSen betont, dass eine vollständige Binnendifferenzierung bis zum Ende der Sekundarstufe I möglich sein soll, um der wachsenden Heterogenität der jungen Menschen gerecht zu werden und ihnen Lebenschancen, Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten zu eröffnen. „Es ist bitter, dass dies vier Jahre später nicht mehr gelten soll – ausgerechnet in einem Ministerium, das sich nach der Wahl in Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen umbenannt hat“, kommentiert der VBE-Landesvorsitzende.

Kürzungen vs. Startchancen-Programm: ein Minus für manche Schule

Besonders perfide aus Sicht des VBE Hessen: Die Kürzungen werden auch IGSen im Startchancen-Programm der Bundesregierung betreffen, also Schulen in schwierigem sozialem Umfeld mit vielen Kindern und Jugendlichen aus benachteiligten Familien. 

So drängt sich der Eindruck auf, dass das Kultusministerium diese Gelegenheit nutzt, um Landesmittel zu sparen. Für die Schulen kann dies im schlimmsten Fall bedeuten, dass sie am Ende – trotz Geldern aus dem Startchancen-Programm – nicht etwa mehr finanzielle und personelle Mittel für Unterricht haben, sondern weniger. „Aus aktuellem Anlass erinnern wir das Kultusministerium einmal mehr daran: Gelder für Schulen und Bildung sind keine Ausgaben, sondern Investitionen in die Zukunft“, so der VBE-Landesvorsitzende Wesselmann.

Ermutigend: Sondersitzung des Kulturpolitischen Ausschusses

Der VBE Hessen fordert auch die Politikerinnen und Politiker im Landtag auf, die Sparpläne der Landesregierung nicht durchgehen zu lassen. Ein ermutigendes Zeichen ist, dass Bündnis 90/Die Grünen eine Sondersitzung des Kulturpolitischen Ausschusses mit öffentlicher Anhörung beantragt haben, die diese Woche stattfinden und hoffentlich für Transparenz sorgen wird. Denn die Behauptung des Kultusministers kürzlich im Landtag – „An der Bildung unserer Kinder wird nicht gespart“ – stimmt leider nicht. Das Gegenteil ist der Fall!

 

Foto: Adobe Stock