„Es braucht mehr Zeit für Beratung und Betreuung – nicht weniger!“

Einsparungen an den Studienseminaren würden Qualität des Vorbereitungs-dienst verschlechtern. Der VBE Hessen fordert im Gegenteil mehr Zeit und Personal sowie eine Verlängerung des `Ref` auf 24 Monate.

Am Dienstag, den 30. September 2025, werden die Ergebnisse der Prognos-Studie vorgestellt, mit der die Lehrkräfte-Ausbildung evaluiert wurde, die vor 20 Jahren grundlegend geändert und vor fast 15 Jahren verkürzt wurde. Mit Sorge erwarten die Studienseminare, die für die Ausbildung der „Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst“ (LiV, früher: Referendare) zuständig sind, diesen Moment.

Der Grund: Seit geraumer Zeit werden offene (Leitungs-)Stellen an den Studienseminaren nicht neu besetzt, (zugesagte) Beförderungen nicht umgesetzt und tariflich vereinbarte Zulagen nicht bezahlt. Dies deutet aus Sicht der Studienseminare darauf hin, dass Einsparungen geplant sind – weshalb die Personalräte der Studienseminare in einem gemeinsamen Schreiben an Staatssekretär Dr. Manuel Lösel bereits vor einer Verschlechterung der Lehrkräfteausbildung gewarnt haben.

Der VBE Hessen kann die Sorgen und Warnungen nachvollziehen: „Keine Frage: Die Evaluation ist längst überfällig. Aber dass sie zu einem Zeitpunkt kommt, in dem das Geld knapp ist, das Land nach Einsparmöglichkeiten sucht und im Landtag Haushaltsberatungen anstehen, wirft die Frage auf: Ist diese Evaluation ergebnisoffen?“, so der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Hessen, Stefan Wesselmann.

Geht es um Qualität – oder um Quantität?

Kürzungen an den Studienseminaren würden sich bis in die Schulen bzw. auf den Unterricht auswirken, wo der Lehrkräfte-Nachwuchs zum Einsatz kommt. Wesselmann erläutert: „Die Zeit für eine professionelle Betreuung und Beratung ist an den Studienseminaren schon jetzt knapp. Wenn sich künftig eine Ausbilderin bzw. ein Ausbilder um noch mehr LiV kümmern muss, wird sich die Ausbildung zwangsläufig verschlechtern.“

Aus demselben Grund warnt der VBE Hessen vor Überlegungen, die Dauer des Vorbereitungsdiensts (Referendariat) zu verkürzen: „Natürlich könnte man so mehr ausgebildete Lehrkräfte schneller an die Schulen bringen und damit den Personalmangel abmildern. Die Frage ist nur: Wie wäre dieser Lehrkräfte-Nachwuchs dann ausgebildet?“, fragt der VBE-Landesvorsitzende. Denn schon jetzt reicht die Zeit im Vorbereitungsdienst nicht aus, um alle im Schulalltag relevanten Themen zu behandeln.

Bei einer Verkürzung des sieht der VBE Hessen die Gefahr, dass der „Praxis-schock“ an den Schulen für die LiV noch größer wird, weil sie mit zu wenig Handwerkszeug für den Umgang mit Herausforderungen dort ankommen. Die ohnehin überlasteten, erfahrenen Kolleginnen und Kollegen werden dies nicht ausgleichen können.

Daher muss aus Sicht der VBE Hessen der Vorbereitungsdienst im Gegenteil wieder auf 24 Monate ausgeweitet und die personellen und zeitlichen Ressourcen der Studienseminare müssten aufgestockt werden. (Diese und weitere Forderungen zur Lehrkräftebildung sind in einer Position nachzulesen, die der VBE-Landesvorstand Mitte September beschlossen hat.)

Die Tätigkeit in der Ausbildung muss attraktiv bleiben

Gerüchten zufolge zieht die Landesregierung außerdem in Betracht, einzelne Studienseminare zu schließen bzw. Standorte zusammenzulegen. In Kombination mit den o.g. Kürzungen würde das die Arbeit in der Ausbildung noch weniger attraktiv machen – und es den Studienseminaren weiter erschweren, Lehrkräfte aus den Schulen als Ausbilderinnen und Ausbilder zu gewinnen.

Dabei muss die Entwicklung aus Sicht des VBE Hessen genau in die entgegengesetzte Richtung gehen: „Wir brauchen mehr Personal, mehr Zeit für Beratung sowie eine fundierte und professionelle Betreuung im Vorbereitungsdienst, wenn wir den Anspruch erfüllen wollen, ein `Bildungsland´ zu sein “, stellt der VBE-Landesvorsitzende klar.

 

Welche Forderungen der VBE Hessen bzgl. des Lehrkräfte-Ausbildung hat, ist in unserem Positionspapier zur Lehrkräftebildung (hier Link) zu lesen. Außerdem berichten LiV, Ausbilder/innen und Uni-Dozenten in der nächsten Ausgabe unserer Zeitschrift Forum Bildung & Erziehung, welche Schwächen und Stärken der Lehrkräftebildung in Hessen sie erkennen. Erscheinungstermin: 15.10.2025